Modesommer 2010: Total entspanntDer Trend geht zu alltagstauglichem Design
Einen Ausblick auf die Damenmode im Frühjahr/Sommer des nächsten Jahres versprach vom 26. bis 28. Juli die Modemesse CPD in Düsseldorf. Fazit: Die Mode kennt keine Krise.
Die Modemesse CPD in Düsseldorf war mit Spannung erwartet worden, nicht nur wegen des neuen Konzepts, sondern auch, weil das Orderverhalten der rund 21.000 Fachbesucher als Konjunkturindikator angesehen werden kann. Jersey ist das SchlüsselmaterialTotal, entspannt, vital, frisch und kraftvoll verweigert sich die neue Mode jeglicher Krisenstimmung. Das zeigt sich vor allem im Stoff: Jersey ist das Schlüsselmaterial. Es bietet ein Höchstmaß an Komfort und Bequemlichkeit. Daraus werden Kleider und Shirts mit dekorativen Drapé-Partien gearbeitet. Traditionelle Formen wie Blazer verwandelt Jersey in Wohlfühl-Jacken. Jersey-Hosen emanzipieren sich von ihrem Yoga- und Gymnastik-Image und bieten sich als Alternative zu den Leggings des laufenden Sommers an. Die Leichtigkeit der Mode spiegelt sich auch in den Trendfarben wider: Ausgewaschene hellblaue Denims passen gut zu süßlichen Flowerfarben wie Flieder, Pink und Mintgrün. So wie diese Mode ein Spiel mit Einzelteilen ist, wird auch die Rolle der Accessoires immer wichtiger. Im Blickpunkt stehen Schuhe, Schmuck und Tücher. Letztere werden mehr denn je als Schmuck eingesetzt. Farbige Leinenschals genügen längst nicht mehr. Patchwork- und Dessincollagen individualisieren und werten Tücher und Schals auf. Modebranche trotzt der KriseTotal entspannt gibt sich auch der Textileinzelhandel. Nach dem ersten Halbjahr 2009 liegen hier die Durchschnittsumsätze nur knapp einen Prozent unter den Vorjahreswerten und sind damit besser als im gesamten deutschen Einzelhandel. Die Geschäfte orientierten sich eher am Witterungsverlauf als an Börsenkursen oder Wirtschaftsnachrichten, sagt Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels (BTE). Dass bekannte Kauf- und Textilhäuser schließen müssen, sei nicht der Finanzkrise geschuldet, sondern Teil einer notwendigen Marktbereinigung: „Der Verbraucher ernährt sie nicht alle. Wenn nicht die Großen, dann verschwinden die Kleinen vom Markt.“ Nicht ganz so gelassen sehen das die deutschen Modehersteller, die für das erste Halbjahr 2009 ein Umsatzminus von 5,2 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 verbuchen. Vor allem die Exporte seien dafür verantwortlich, sagt Klaus Brinkmann, Präsident des German Fashion Modeverbands. Dennoch beurteilt er die Lage der Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen als „nicht so schlimm“, weil die Betriebe die Krise auch als Chance begreifen: „Der Wettbewerb wird härter, aber der Markt auch beweglicher.“ Kleines Label mit großen ChancenVon Krisenstimmung will auch Maria Semeniuk nichts wissen. Unter dem Label „Semper“ entwirft sie seit 20 Jahren elegante Kleider und Hosenanzüge aus edlen Stoffen, mit denen sie in Polen schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Von ihrer Premiere als Ausstellerin auf der CPD erhofft sie sich einen Einstieg in den deutschen Markt. Während sich bei anderen Ausstellern überwiegend die vom Deutschen Mode-Institut ausgemachten, pastelligen Trendfarben für 2010 bestätigten, setzte Semeniuk für die Messepräsentation aus ihrer an die 200 Modelle umfassenden Kollektion auf kräftigere Töne: „Die Kleider aus hochwertiger Seide in starken Farben ermöglichen es der Trägerin, sich als etwas Besonderes zu fühlen.“ Und noch eine Botschaft verbindet die Chefin von 50 Mitarbeitern mit ihrem CPD-Debüt: „Es ist wichtig, dass polnische Firmen in Deutschland als kreativ wahrgenommen werden und sich vom Image der Lohn-Nähstuben für Westeuropa lösen. Wir bieten hervorragende Qualität und sind trotzdem günstig.“
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